Kleine Geschichte der Orgel

von Eberhard Stolle, Kirchenmusikdirektor

Die nunmehr 550 Jahre alte Bernhardskirche in Rohracker beherbergt eine handwerklich solide, vom Klang her ansprechende Orgel. Sie wurde in den Orgelbauwerkstätten H. Plum - Marbach entworfen, konstruiert, 1969 in der Kirche aufgestellt und am Erntedankfest desselben Jahres eingeweiht. Sie besitzt zwei Manuale und Pedal, Schleifladen und mechanische Traktur. Ihre Disposition von zwölf Registern wurde von Kirchenmusikdirektor Walter Lutz - Stuttgart ausgearbeitet und, wie folgt, für die drei Werke angeordnet:

Disposition der Orgel zum Stand der Einweihung 1969

Disposition der Orgel zum Stand der Einweihung 1969

Auf meinen Vorschlag hin, die Disposition durch Einbau eines Zungenregisters zu erweitern, wurde im Jahre 1988 durch die Orgelbaufirma H. Kenter - Bad Liebenzell-Monakam im Schwellwerk ein Holzdulzian 8' eingebaut. Dabei ist im Hauptwerk und Pedalwerk eine Trennung der beiden Doppelregister Nr.3 und Nr. 12 vorgenommen worden, um die Registrierung effizienter gestalten zu können. So erhielt das Hauptwerk zusätzlich eine Waldflöte 2' und das Pedalwerk einen Choralbaß 4', jeweils als eigenständige Register. Schließlich konnte durch Öffnung der bisher geschlossenen Rückwand des Hauptwerks durch Einsetzen dreier Gitterfenster eine bessere Klangabstrahlung für das Schwellwerk erzielt werden.

Die heutige Orgel ist nun die dritte in der Baugeschichte der Kirche. Erst etwa 300 Jahre nach der Errichtung der Bernhardskirche konnte die damals noch sehr arme Kirchengemeinde an die Anschaffung einer Orgel denken. Solange wurde choraliter, d.h. unbegleitet gesungen. Mit 112 Gulden wurde im Jahre 1742 eine gebrauchte Orgel von der Gemeinde Dürnau bei Göppingen erworben. Eine gründliche Erneuerung wurde 40 Jahre später durch die Firma Walcker vorgenommen; aber dann mußte sie noch über 100 Jahre halten, ehe dann im Jahre 1884 die Anschaffung einer zweiten Orgel unumgänglich wurde.

Den Bauauftrag erhielt nun die Orgelbaufirma Weigle in Echterdingen. Man stellte dieses Instrument jetzt auf die Westempore der Kirche, gegenüber von Altar und Kanzel. Über die Jahrhundertwende und Erschütterungen zweier Weltkriege hinweg tat diese zweite Orgel 85 Jahre lang getreulich ihren Dienst.

Die jetzige nunmehr 28 Jahre alte Pfeifenorgel der ehrwürdigen Bernhardskirche möge angesichts so vielfältiger Säkularbestrebungen im Raum der Kirche vor Mißbrauch und Manipulation bewahrt und in Gegenwart und Zukunft, ihrem Schöpfungsauftrag gemäß, soli Deo gloria - Gott allein zur Ehre - zu erklingen, gerecht werden.

Quelle: 550 Jahre:Bernhardskirche Rohracker, herausgegeben von der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Rohracker/Frauenkopf, 1997

 

Orgel Bernhardskirche Rohracker

erbaut durch Fa. Peter Plum, Marbach 1969
erweitert durch H. Kenter, Bad Liebenzell-Monakam 1988

Hauptwerk:
1 Tremulant
2 Rohrflöte 8'
3 Prinzipal 4'
4a Waldflöte 2'
4b Sesquialter 2-3 f 2 2/3' 1 3/5'
5 Mixtur 4-f 1 1/3'

Schwellwerk:
9 Tremulant
10 Gedeckt 8'
11 Blockflöte 4'
12 Oktave 2'
13 Quinte 1 1/3'
14 Scharfzimbel 3-f
15 Holzdulcian 8'

Pedal:
6 Subbass 16'
7 Offenflöte 8'
8a Choralbass 4'
8b Gemspfeife 2'

Spielhilfen:
mechanische Ton- und Registertraktur
Normalkoppeln II-I, I-Ped, II-Ped
Schweller