Aktuelle Infos aus der Gemeinde

Abschied Pfarrer Wilhelm Kautter

Pfarrer Wilhelm Kautter

Abschiedsworte von Pfarrer Kautter an seine Gemeinde

Liebe Leserin! Lieber Leser!
Januar 1995: Nach 10 Jahren als Pfarrer in Heilbronn und ein halbes Jahr vor der Einschulung unseres Sohnes Christoph machte sich unsere Familie auf die Suche nach einer neuen Pfarrstelle und einem neuen Lebensort. Nach einer Besichtigung auf den Fildern kamen wir hier in S-Hedelfingen mit der quietschenden Straßenbahn 13 an (diese hatte es, wie auch später die Stadtbahnen, unserem Sohn gleich angetan — heute ist er Verkehrsingenieur).
Anders als in dem besichtigten Filderort war hier in Hedelfingen Alltagsleben zu spüren. Bei einem Gang durch den Stadtteil bis hinter die Steinenbergschule fiel uns der dörfliche Kern mit der Kelter und dem Blick auf die Weinberge ebenso wie der Blick auf den Fernsehturm („hier ist Stuttgart“) und auf die Industrie im Neckartal („hier arbeitet Stuttgart“) gleich ins Auge.
Als ich als Pfarrer, und wir als Pfarrfamilie unter mehreren Bewerbern gewählt wurden und in den Sommerferien — rechtzeitig vor Schuljahresbeginn — hier leben und arbeiten durften, hat sich vieles von den ersten Eindrücken bestätigt: Hedelfingen ist ein Stadtteil mit gewachsenen Strukturen und viel Neues.
„Dorfbewohner“ gibt es ebenso wie Menschen, die von überall auf der Welt kommen, auf Dauer oder nur vorübergehend bleiben, so wie üblicherweise auch Pfarrer. Dass aus diesem „Vorübergehend“ 24 Jahre wurden, hätten wir damals nicht gedacht. Es spricht für den Stadtteil und für die Kirchengemeinde.
Dörflicher Kern — Stadtteil — Offenheit zur Welt (der Hafen…) — Kirchengemeinde als Lebensort (damals mehr als heute) und als Veranstalter (heute mehr als damals):
Die Kinder– und Jugendarbeit florierte: Kinderstunde, Kinderchor, Kinderkirche, Singspiele und Jungscharen — heute noch mehr als damals ist Kreativität gefragt ( mit mehr oder weniger Erfolg), damit Kinder und Eltern christliche und kirchliche Angebote annehmen in ihrem stark durchgetakteten Alltag.
Die Kirchenmusik floriert im Erwachsenenbereich: der Kreuzchor ist dank der Kantorin und der Distrikt-Struktur, die wir dem damaligen Dekan zu verdanken haben, zu einem renommierten Chor geworden. Im Kinder-Bereich wird es auch in der Musik nach beeindruckenden Aufbau-Jahren immer schwieriger, dass Angebote wahrgenommen werden. Dank anderthalb Pfarrstellen bis zur Streichung der 2. Pfarrstelle und zum Weggang von Pfarrerin Silber 2007 konnten besondere Gottesdienstformen entwickelt und bis jetzt dank der Teams beibehalten werden: der Spazierweg-Gottesdienst „Spiritueller Spaziergang“, Thematische Gottesdienste, Abendgottesdienste.
Die Seelsorge in der Gemeinde und im Emma-Reichle-Heim einschließlich der Sitzwachengruppe lag mir besonders am Herzen. Diakonische Angebote und Kontakte waren mir und meiner Frau wichtig: der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe, die vielen „Haustürgäste“, der nachbarschaftliche Kontakt zur Diakoniestation und der Krankenpflegeverein das ganze Jahr über — der Offene Mittagstisch, der Weihnachtswunschbaum, die Stände des Freundeskreises Flüchtlinge und des Weltladens Wangen beim Sommerfest.
Das engagierte, gut zusammenarbeitende Team der Hauptamtlichen (die Arbeit verteilt sich hier auf immer weniger Schultern) und die aktiven Ehrenamtlichen machten und machen vieles möglich. Der Blick über den Tellerrand der Kirchengemeinde war alltäglich: durch Begegnungen im Stadtteil unterwegs sowie in der Ökumene, mit Vereinen, mit dem Rathaus als gutem Nachbarn — und durch die internationalen  Gastgemeinden: „schon immer“ die Niederländische, seit ein paar Jahren die Ghanaische Gemeinde. Weitere „Blicke über den Tellerrand“ gewährte mir die Mitarbeit im Kirchenbezirk, und so war ich — und auch die Verantwortlichen in der Gemeinde, die von mir regelmäßig informiert wurden, nicht überrascht über strukturelle Veränderungen. Aus vielen großen Gemeindegruppen sind in 24 Jahren weniger, meist kleinere geworden. 1995 gehörten über 2000 Menschen zur Gemeinde, heute sind es weniger als 1300. Von 2 Pfarrstellen im Jahr 1995 bleibt mit dem aktuellen Pfarrplan eine halbe übrig, ebenso in Rohracker-Frauenkopf, von wo aus die Kirchengemeinde Hedelfingen ab meinem Ruhestand „pfarramtlich“ betreut wird.
Viel haben wir erlebt und gearbeitet in 24 Jahren hier in S-Hedelfingen, wir waren fröhlich und traurig, wir waren jung und sind alt geworden.

Wir danken Ihnen für die gefüllten Jahre — und freuen uns auf die kommende Zeit in Leipzig, näher bei Sohn, Schwiegertochter und Enkel.
Seien Sie behütet — und: auf Wiedersehen!


Ihr Pfarrer Wilhelm Kautter
und Dorothea Kautter

Worte von Frau Ute Wießmeyer zur Verabschiedung von Pfarrer Kautter

Ute Wießmeyer (gewählte Vorsitzende)

Worte aus dem Gemeindebrief von Frau Ute Wießmeyer zur Verabschiedung von Pfarrer Wilheilm Kautter

Liebe Gemeinde, liebe Leser,
Nun ist es an der Zeit sich von unserem Pfarrer zu verabschieden.

Jammern können wir ja eigentlich nicht. Schließlich blieb er ganze 24 Jahre bei uns.
Und doch ... zum Jammern ist einem schon zumute. Nur ungern geben wir ihn her. Zu sehr hat man sich an sein Da-sein gewöhnt. Zuverlässig. Immer war er da. In den Ausschüssen, Sitzungen, in den ahlreichen Arbeitsgruppen, im Pfarramt und natürlich an den SONNTAGEN, im Gottesdienst. Wir mussten uns darüber nie Gedanken machen. Er war ja immer da. Und wenn nicht, dann hat er dafür gesorgt, dass jemand für ihn einspringt. Wir waren immer bestens versorgt. Es war alles perfekt geplant. So einen guten Planer habe ich persönlich noch nie gesehen ... mit 2 spitzen Bleistiften, mehreren farbigen Kulis … hat er seinen Terminkalender akribisch geführt. Voller Neid sah ich ihm zu. Ich bin an der Führung meines Terminkalenders immer wieder kläglich gescheitert, bis ich eine digitale Ausrüstung hatte. Doch selbst dann, kam es hin und wieder vor, dass ein Termin unterging. Nicht so bei Herrn Kautter! Er brachte es ganz ohne digitalen Terminkalender auf die Reihe.
Als er, mit seiner Frau und seinem Sohn, zu uns kam, war die Lage in Hedelfingen äußerst spannend: Der damalige Kirchengemeinderat unter der Leitung von Herrn Rattay war in der nicht beneidenswerten Situation ein neues Team zusammenstellen zu müssen. Gleich zwei Pfarrstellen sowie die Kantorei und die Stelle des Mesners mussten neu besetzt werden. Es blieb Herrn Kautter keine Zeit sich einzugewöhnen. Er war sofort mittendrin im Geschehen als Gestalter, Manager, Ideengeber und Seelsorger.
Interessant ist auch, dass er 1984 in Kornwestheim seine Prüfungspredigt über Epheser 4,4 gehalten hat. Schicksal oder Fügung, dass er 11 Jahre später in die einzige Kirche Deutschlands kommt in der ein Lichtband diesen Spruch aus Epheser 4,4 „EIN LEIB UND EIN GEIST, EIN HERR, EIN GLAUBE, EINE TAUFE, EIN GOTT UND VATER ALLER, DER DA IST ÜBER EUCH ALLEN“ beherbergt?
Am 14.07.2019 werden wir uns nun beim Sommerfest von unserem Pfarrer Kautter und seiner Frau, die ebenfalls eine Lücke in der Arbeit mit Kindern hinterlässt, verabschieden. Mit ganz viel Dankbarkeit und ganz viel guten Wünschen im Herzen für eine gute Zeit in Leipzig, in der Nähe der Familie des Sohnes Christoph.
Notieren Sie sich doch diesen Termin. Es beginnt bereits um 10.00 Uhr mit einem Gottesdienst. Sie sind herzlich eingeladen.


Ihre Ute Wießmeyer

(Einladung zum Sommerfest mit Verabschiedung Pfarrer Kautter)